Abfall wird Ressource
Als Industriedesigner stelle ich mir häufig die Frage, wie gestalterisches Schaffen reale ökologische Probleme lösen kann und nicht nur ästhetische Objekte erzeugt, die letztlich neuen Ballast hinterlassen. Mein Anspruch ist es, Gestaltung mit einem notwendigen und nachhaltigen Mehrwert zu verbinden.
Der weltweite Ressourcenverbrauch überschreitet bereits heute die planetaren Grenzen. Der „Earth Overshoot Day“, der Tag, an dem wir global mehr Ressourcen verbraucht haben, als die Erde im gesamten Jahr regenerieren kann, wurde in Deutschland 2024 bereits Anfang Mai erreicht.
Vor diesem Hintergrund begann ich gezielt nach einem Projekt zu suchen, das ein reales und relevantes Problem adressiert. Die zentrale Idee dabei ist, Design als Werkzeug zur Minimierung ökologischer Herausforderungen zu nutzen.
Während meiner Recherche rückte ein wachsendes Entsorgungsproblem in den Fokus: ausgediente Windkraftanlagen. Besonders problematisch sind Bauteile aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK), wie Rotorblätter oder Gondelgehäuse. Diese Faserverbundwerkstoffe verfügen über hervorragende technische Eigenschaften, sind jedoch sehr schwer mechanisch oder stofflich zu trennen. Da es sich um Duroplaste handelt, lassen sich die Materialien nach dem Aushärten nicht mehr schmelzen oder einfach auflösen, was eine Zurückgewinnung der Stoffe extrem schwierig macht.
Gleichzeitig erreichen derzeit viele Windkraftanlagen das Ende ihrer wirtschaftlichen Lebensdauer. Prognosen zeigen, dass bis 2040 bis zu 430.000 Tonnen GFK-Abfälle aus deutschen Windkraftanlagen anfallen könnten.
Die gesammelten Erkenntnisse führten zu einer zentralen Fragestellung: Wie kann man mit gestalterischen Mitteln auf ein wachsendes, bisher ungelöstes Entsorgungsproblem reagieren – und dabei das Potenzial ausgedienter Windkraftanlagen als Ressource neu denken?
Mein gestalterischer Ansatz versteht Wiederverwendung nicht nur als technischen Wiedereinsatz, sondern als Designwerkzeug: vorhandene Strukturen und Materialien werden als sekundärer Rohstoff betrachtet und mittels Gestaltungsstrategien in einen neuen Nutzungskreislauf überführt.